Viele Aktivitäten, großer Zusammenhalt und neue Mitglieder  

Gewerbeverbund zeigt sich besorgt wegen Planungsvorgehen zur Ortskernsanierung

Bericht über die Herbstversammlung des Siegsdorfer Gewerbeverbundes:

Sehr gut besucht war die Herbstversammlung des Siegsdorfer Gewerbeverbundes. Der Vorsitzende, Dr. Jürgen Leikert freute sich bei der Herbstversammlung mit traditionellem Jahresabschluss-Essen über den mit rund dreissig Mitgliedsfirmen guten Besuch und konnte wieder über viele Aktionen und Erfolge des Gewerbeverbundes berichten. Der Vorsitzende stellte besonders das große Engagement und die gute Zusammenarbeit vieler Mitglieder heraus. So konnten wieder viele attraktive und beliebte Aktionen für Bürger, Kunden, Gäste und nicht zuletzt für die Mitgliedsfirmen des Gewerbeverbundes durchgeführt werden. Großes Augenmerk wurde dabei stets auf die Belebung des Ortskerns sowie auf die Außendarstellung Siegsdorfs gelegt. Leikert stellte fest, dass der Gewerbeverbund dabei seiner Gründungsphilosophie treu blieb: Handel, Handwerk, Gastronomie und Dienstleistung vor Ort zu unterstützen und ihren unschätzbaren Wert für die örtliche Nahversorgung immer wieder in den Fokus der Bevölkerung zu rücken.

So berichtete der Vorsitzende unter anderem von einem erfolgreichen verkaufsoffenen Sonntag sowie über die gemeinsam mit dem Bauhof durchgeführte Blumentrogaktion, die jedes Jahr während der Sommermonate den Siegsdorfer Ortskern optisch besonders aufwertet. Die gemeinsam mit der Siegsdorfer Touristinformation und gut 50 Akteuren organisierte Siegsdorfer Aktionsnacht sei mit über 7000 Besuchern erneut ein großer Erfolg gewesen, versicherte Leikert. Die 2010 vom Gewerbeverbund ins Leben gerufene Aktionsnacht sei seit Jahren die mit Abstand größte jährliche Veranstaltung in Siegsdorf. Gerade die Aktionsnacht hätte laut Leikert einmal mehr offenbart, welches Potential ein deutlich verkehrsberuhigter Siegsdorfer Ortskern hat, wenn er durch viele Menschen mit Leben erfüllt wird. Auch am Lichterfest der Touristinfo habe sich der Gewerbeverbund wieder mit seiner Aperol- und Hugo-Bar samt lustigem Angelspiel beteiligt und im Advent wird der Gewerbeverbund wieder seine beliebte Adventshütte im Ortszentrum öffnen. Heuer mit einer besonders umweltfreundlichen Neuerung: Aus eigener Überzeugung und vielfachem Wunsch der Besucher würde der Gewerbeverbund heuer alle Getränke in Keramiktassen ausschenken, teilte Leikert mit.

Dr. Jürgen Leikert informierte darüber, dass der Gewerbeverbund zuletzt eine große Informationskampagne mit öffentlicher Umfrage zu einer möglichen Tempo 30 Zone im Siegsdorfer Ortskern durchgeführte. Über 500 Bürgen hätten sich online und per Brief an der Abstimmung beteiligt, rechnete er vor. Davon hätten sich ca. 70 % für eine Tempo 30 Zone ausgesprochen. Leikert zeigte sich sehr zufrieden über die große Resonanz auf diese Initiative. Es zeige deutlich, wie wichtig den Siegsdorfer Bürgern ein attraktiver und lebenswerter Ortskern ist. Die Gemeinde hatte während des Jahres viele rechtliche Abklärungen bezüglich einer Tempo 30 Zone vorgenommen und wird nun das weitere Prozedere abstimmen.

 

 

Großen Raum nahm auf der Herbstversammlung die von der Gemeinde nun ins Auge gefasste Ortskernsanierung im Bereichsdreieck Bahnhofs-, Ruhpoldinger- und Hauptstraße sowie Standort Kardinal-von-Faulhaber-Platz ein. Besonders über die laufenden Planungen zur möglichen Nutzung der weit über 10.000 m2 brachliegenden, zentrumsnahen Flächen nördlich des Feuerwehrhauses und zwischen Bahnhofs- und Ruhpoldinger Straße berichtete Leikert. Demnächst solle ein Bebauungsplan für dieses große Areal mitten im Ortskern aufgestellt werden.

Leikert zeigte sich generell von dem bisherigen Planungsvorgehen, der bislang einzigen Planungsvariante und den sehr überschaubaren Ideen des beauftragten Planungsbüros aus München sehr besorgt. Umso mehr, nachdem ein von der Gemeinde Ende Oktober initiierter Bürgerworkshop zur Ortskerngestaltung mit dem Planungsbüro sehr enttäuschend verlief, viele Fragen und Einwände der rund 70 teilnehmenden Bürger unbeantwortet bzw. unkommentiert blieben. Auch zur dringend nötigen Verkehrsberuhigung im Ort gäbe es noch kein schlüssiges Konzept. Enttäuschung und Unverständnis herrschten auch unter den rund dreissig anwesenden Mitgliedsfirmen des Gewerbeverbundes über das bisherige Planungsverfahren dahingehend, dass die Gemeinde bei einer derart großflächigen und den Ortskern für die nächsten 50 Jahre markant prägenden Neugestaltung keine wesentlich umfassendere Ideensammlung von allen Beteiligten sowie mehrere Vorschläge verschiedener Planungsbüros als Diskussionsgrundlage einholt. Auch Leikert war darüber negativ verwundert und berichtete über nach Ansicht des Gewerbeverbundes weitere gravierende Mängel der kürzlich offiziell vorgestellten Variante des Münchner Planungsbüros. Diese seien unter anderem die geplante Streichung von ca. 50  wichtigen zentrumsnahen Parkplätzen und die Nichtberücksichtigung der Nahversorgung, welche  gerade für Senioren bzw. in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen sowie generell aus ökologischen Gründen verbessert werden sollte. Natürlich ist es dem Gewerbeverbund bewusst, dass die vorgestellte Version nur eine Planungsvariante sei, dennoch sei diese als Basis für Diskussionen enttäuschend und man vermisse Alternativen.

Leikert verlieh in der Herbstversammlung der großen Sorge vieler Mitglieder Ausdruck, indem er seine naheliegenden Befürchtungen äußerte, dass die derzeitigen Vorstellungen des Planungsbüros den Siegsdorfer Ortskern deutlich schwächen würden, den Anwohnern, Bürgern, Kunden und Gästen dadurch keinerlei Verbesserung der Sicherheit und Aufenthaltsqualität im Ort brächten sowie die Ansiedlung bzw. das Fortführen gerade kleinerer Dienstleister und Geschäfte im Ortskern unattraktiv bis unmöglich machen würden. Man glaube auch nicht, dass so erreicht werden kann, dass die Hausbesitzer Ihre überwiegend in die Jahre gekommenen Hauser entlang der Hauptstrasse sanieren. Bereits jetzt sei absehbar, dass mit der Postfiliale und zwei weiteren Geschäften im Ortszentrum in absehbarer Zeit drei weitere Nahversorger aufgeben werden. Eigentlich müssten nicht erst jetzt sämtliche Alarmglocken längst auch beim Planungsbüro und vor allem im Siegsdorfer Rathaus schrillen, meinte Leikert. In diesem Zusammenhang waren sich die anwesenden Mitgliedsfirmen einig, dass die von der Gemeinde favorisierte ortskernnahe Ansiedlung eines auf Baugenehmigung drängenden Steuerbüros mit rund 40 Mitarbeitern entgegen der Aussage des Bürgermeisters für Siegsdorf keinen messbaren Vorteil habe. Bei bald 9000 Einwohnern und bereits deutlich über 3000 Arbeitsplätzen gäbe es gänzlich andere Nutzungskonzepte, von denen Siegsdorf und seine Bürger, der Ortskern und die kleineren bestehenden Geschäfte mehr profitieren. Der Gewerbeverbund hoffe aber weiterhin, dass die Gemeinde ihren Auftrag zur Sicherung und Förderung der örtlichen Nahversorgung in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten konstruktiv und offensiv angeht. Die Gemeinde habe mittlerweile Gespräche angeboten. Der Gewerbeverbund stehe mit seinem Wissen und Ideen  jederzeit gerne für konstruktive Gespräche zur Verfügung, versprach der Vorsitzende.


Pressebericht vom 08.11.2019 im Traunsteiner Tagblatt

 

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